Roland Gäfgen Blick-Zeit-Bild

 

Evang. Petruskirche Renningen Sonntag 25. September 2016 um 19.00 Uhr
Werke von Roland Gäfgen für Orgel/Klavier, Bläserquintett und Streicher

Querflöte - Maren Dreher
Oboe - Sieglindelinde Ackermann
Klarinette - Thomas Reil
Horn - Marcus Borchert
Fagott - Annette Wittemann
Violine I - Theresia Hanke, Roswitha Funk-Aydemir, Christine Schuster
Violine II - Dorothea Bellmann, Kathrin Bscheidl, Beate Saegner
Viola - Stefan Beuter, Rebecca Schaich, Fred Schuster
Violoncello - Heidi Wendel
Kontrabass - Marcus Löffler
Orgel/Flügel - Gäfgen                                  

Das Komponieren war seit Beginn des Orgelspiels 1978 neben diesem eine der zentralen Triebfedern hin zum Musikerberuf. Etliche Stücke für Orgel und Klavier entstanden, denen allerdings deutlich eine fehlende helfende Unterweisung abzuhören ist. Erst nach dem Kirchenmusikstudium (1983-1989) in Esslingen, mit fundiertem Unterricht in Tonsatz, entstanden aufführungsfähige Werke. Mit diesem nun verfügbaren „Handwerkszeug“ wurden Anfang der 90er Jahre einige dieser Anfängerkompositionen hervorgezogen und brauchbare Ideen in letztlich komplett neuen Stücken, wie dem opus 1+2 für Orgel solo (1991/92) Präludium - Kanon - Fuge – Reprise, verarbeitet. Dann erlaubte das Tagesgeschäft und ein Vielerlei an Auslastungen nur ein sehr langsames Anwachsen der Werkliste.

Wenige kammermusikalische Stücke entstanden, darunter die " Klangrede I " (2002) für Oboe, Flöte und Orgel und die " Klangrede II " (2004) für Klarinette und Orgel. Genaugenommen sind das harmonische Spielereien, ergänzt um eine diese kontrastierende Solostimme.

Besonderes Interesse genießt die Besetzung Orgel und Instrumente. Die Orgel wird jedoch weniger als solistisches Instrument sondern mehr als weiteres Orchesterinstrument mit eigener Klangfarbe und spieltechnisch mehr Möglichkeiten verstanden. Anlässlich des Ökumenischen Chorkonzertes 2015 wurde die Toccata Nr.4 für Instrumente und Orgel (2015) geschrieben, unter Verwendung von zwei kurzen Motiven (1983) aus jenen oben beschriebenen „Anfängerstücken“.

Für die Instrumentalgruppe im Rahmen einer von drei selbst geleiteten Kindersingwochen war eine kurze, heitere Musik im vierstimmigen Satz für Blockflöte, Violinen und Bass bestimmt, die in diesem Konzert als Spielmusik für Streicher (um 1993) erklingt.

2007 äußerte Kantor Böhm, Böblingen, den Wunsch nach einer Komposition für Alt, Chor und Symphonieorchester über den Text „Nun sich das Herz von allem löste“. Sehr schnell zeigte sich, dass die Zeit für eine komplett neu zu erfindende Komposition nicht ausreichen würde und mal wieder Brauchbares aus dem eigenen Fundus gefunden werden musste. Für die 1. und 3 Strophe der Kantate wurde die Komposition „Für Katharina“ Querflöte und Klavier (1994/2006/2007) um eine Solostimme für Alt und vierstimmigen Chor erweitert und für großes Orchester eingerichtet. Die 2.Strophe des Klepperliedes „Nun sich das Herz von allem löste“ besteht aus dem Mittelteil der „Hommage“ für Orgel solo (2007) und wurde ebenfalls entsprechend erweitert und eingerichtet.

Diese „Hommage“ für Orgel solo wurde 2016, in seiner Substanz unverändert, zur „Toccata für Klavier, Bläserquintett und Streicher und zählt jetzt als Nr.5 zur Werkgruppe „Orgel und Instrumente“. Da die Orgelempore der Renninger Petruskirche allerdings keinen Platz für ein größeres Orchester bietet, tritt an die Stelle der Orgel erstmals das Klavier. Aber auch diesmal handelt es sich bei der auf vier Sätze erweiterten "Hommage" für Bläserquintett, Streicher und Klavier Toccata - Intermezzo - Rondo – Finale nicht um ein klassisches Klavierkonzert mit Orchesterbegleitung, sondern wie bei den anderen Werken für Orgel und Instrumente fügt sich das Klavier als Orchesterinstrument mit eigener Klangfarbe in den gesamten Klangkörper ein. Das Intermezzo (1983/2016) baut auf einer Idee für einen kurzen liturgischen „Amen“-Ruf auf, der hier als Thema wiederverwendet wurde. Das Rondo (2010/2016) zitiert ein winziges Motiv aus Takt 76 des 1.Satzes der Sonate A-Dur von C.P.E.Bach. Beim Erarbeiten dieser Sonate wurde ein Lesefehler in diesem Takt als eigener Gedanke improvisatorisch weitergesponnen und zunächst zu einem Orgelstück verarbeitet, das neu instrumentiert nun hier als dritter Satz Verwendung findet. Einzig das Finale (2016) kann als „Originalkomposition“ für diese Besetzung gelten, auch wenn das Anfangsmotiv ursprünglich zu einem reinen Orgelstück werden sollte. Der Titel „Hommage“ bezieht sich auf die gänzlich tonale Musiksprache, auf die Verneigung vor ihren klanglichen Vorbildern und dem „…Stück, wie ich es gerne schon vor 40 Jahren gekonnt hätte zu schreiben.“ (Roland Gäfgen, 2016)

Auswahl eigener Kompositionen, die in der Petruskirche erklangen:

Toccata Nr. 1 (1990)
für Orgel, Flügelhorn, 2 Oboen, Fagott und Streicher
geschrieben anlässlich der Einweihung der neuen Orgel in Esslingen Zell

Toccata Nr. 2 (1993)
für Orgel, Querflöte und Streicher
geschrieben anlässlich der kirchlichen Hochzeit von Katharina und Roland Gäfgen

Toccata Nr. 3 (1991)
für Orgel, Querflöte und Streicher
geschrieben anlässlich der kirchlichen Hochzeit von Elisabeth und Andreas Englert

Toccata Nr. 4 (2015)
für Orgel, Panflöte, Querflöte (2016: Querflöte und Oboe), Klarinette, Fagott, Violine, Cello
geschrieben anlässlich des Ökumen. Chorkonzertes 2015, für Vincenz Krol und seine Musiker

Toccata Nr. 5 (2016)
für Klavier, Querflöte, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Streicher
geschrieben anlässlich des Konzertes 25.9.2016 – 25 Jahre als Kantor und Organist in Renningen

Kantate „Die Nacht ist vorgedrungen“ EG 16 (1985/1990)
für Solo, Chor, Querflöte, 2 Oboen, Fagott und Streicher (3.Version)

Kantate „Wie soll ich dich empfangen“ EG 11 (1994)
für Solo, Chor, Querflöte, 2 Oboen, Fagott, Flügelhorn, Posaune und Streicher

Kantate „Nun sich das Herz von allem löste“ EG 532 (UA 2008)
für Alt solo, Chor, 2 Querflöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagott, 3 Trompeten, 3 Hörnern, 3 Posaunen, Pauken und Streicher

„Du schöner Lebensbaum des Paradieses“ EG 96 (2003)
für Solisten, Chor, 2 Klarinetten, 2 Trompeten,3 Posaunen, Pauken und Streicher
als Einschübe an drei Stellen im „Requiem“ von W.A.Mozart

Choralvorspiel und Begleitsatz zu „O komm, o komm du Morgenstern“ EG 19 (1994)
für Orgel solo, veröffentlicht im „Esslinger Orgelbuch“

Choralvorspiel und Begleitsatz zu „Das Kreuz ist aufgerichtet“ EG 94 (1995)
für Orgel solo, veröffentlicht im „Esslinger Orgelbuch“

Choralvorspiel und Begleitsatz zu „Singen wir heut mit einem Mund“ EG 104 (1994)
für Orgel solo, veröffentlicht im „Esslinger Orgelbuch“

Zur Person :

Mit sieben Jahren erhielt ich den ersten Klavierunterricht, den ich aber nach einigen Jahren beendete und mich ohne weitere Hilfe durch Stücke von Chopin und Sonaten von Beethoven übte und 1975 erstmals anfing zu komponieren. Erst mit dem Orgelunterricht bei Johannes Decker in Korntal ab 1978 erlebte ich professionellen Unterricht. Orgelspielen, das war ein tiefsitzender Wunsch, der aber erst in der 11ten Klasse erfüllt wurde, zu Ungunsten der bisher ganz passablen Schulzeugnisse. Zwischendurch war die Klarinette ein Wunschinstrument, welches ich allerdings erst Jahrzehnte später, probeweise ein paar Töne produzierend, in den Händen hielt, als ich in der Musikschule Renningen „Instrumentenkarussell“ unterrichtete. Im Zusammenhang mit dem Orgelunterricht, dem Spielen Dürfen erster Matineen in der Korntaler Christuskirche, dem Ablegen der Hilfsorganistenprüfung übernahm ich regelmäßig Orgeldienste in der Hemminger Laurentiuskirche. Der damalige Chorleiter Hans Rommel überredete mich zum Mitsingen im dortigen Kirchenchor. Das machte von Anfang an viel Freude. Aber das damals mühsame Üben der Choräle für die Gottesdienste und der schon viele Jahre alte gehegte Wunsch, Architekt mit dem Schwerpunkt Altbau-, Fachwerkbaurestaurierung zu werden, ließen kein Verlangen aufkommen, Kirchenmusiker zu werden. Das mit dem Studienplatz für Architektur funktionierte nicht, und das Komponieren hatte eine Bedeutung erreicht, die mich bewog, den Weg mit Musik zu versuchen. Sicher gab es das Verlangen, das epochale Musikstück zu schreiben, aber heute reicht es mir vollkommen aus, wenn das eine oder andere gut klingende, gut gemachte, gern gehörte Musikstück gelingt.

Komponieren, in meinem Falle das tonale Komponieren, ist dem LEGO-Spiel verwandt. Festgefügte Bausteinchen (Dreiklänge, Akkorde, Skalen, Intervallbezüge, usw.) lassen sich zwar in unendlichen Kombinationen zusammenfügen und damit unendlich viel „Neues“ bauen, aber genau betrachtet bleibt es immer doch LEGO, oder musikalisch gesprochen, vermeint man beim Hören mittlerweile historische Komponistengedanken oder personalstilbildende Vorlieben herauszuhören. Was soll`s, es ist ja nicht verboten, macht beim Komponieren viel Spaß, ggf. möglichen Zuhörern Freude und ist ein friedvolles und kreatives Tun, abgesehen davon, dass manches für die Kantorenpraxis entsteht, das sonst nicht schnell verfügbar oder den örtlichen Gegebenheiten angepasst existiert. (Roland Gäfgen, September 2016)

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